HebammenStudie 2025

Warum echte
Entlastung mehr braucht als Wertschätzung

Einleitung

Hebammen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Familien, Prävention und einen gesunden Start ins Leben. Doch die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten, geraten zunehmend unter Druck. Die HebammenStudie 2025 der opta data Zukunfts-Stiftung macht deutlich: Das Problem liegt nicht in der Motivation der Hebammen. Es liegt in den Strukturen, verrät ein Interview mit Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung. 

Hohe Verantwortung, Zeitdruck, fachfremde Tätigkeiten, Dokumentationsaufwand und Schnittstellenprobleme prägen vielerorts den Berufsalltag. Gleichzeitig bleibt der Anspruch hoch: Hebammen wollen Frauen und Familien kontinuierlich, sicher und persönlich begleiten. Genau hier entsteht der zentrale Widerspruch der Studie. 

„Es ist nicht die Motivation oder die Professionalität der Hebammen, die infrage steht. Im Gegenteil, das Problem liegt in den Rahmenbedingungen“, so Thomas Druyen.

Dieser Befund ist nicht nur berufspolitisch relevant. Er zeigt auch, wo konkrete Entlastung ansetzen muss: bei besseren Prozessen, klaren Zuständigkeiten und digitalen Lösungen, die den Alltag wirklich vereinfachen. 

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Hebammen sind systemrelevant – aber strukturell überlastet 

Die Studie beschreibt eine deutliche strukturelle Überlastung in der Geburtshilfe. Damit ist nicht nur individuelles Stressempfinden gemeint. Es geht um systemische Muster: Fachliche Standards können unter den vorhandenen Bedingungen nicht überall dauerhaft erfüllt werden. 

Ein zentrales Beispiel ist die Eins-zu-eins-Betreuung im Kreißsaal. Sie gilt fachlich als Qualitätsmaßstab, ist aber vielerorts kaum realisierbar. Wenn Hebammen gleichzeitig mehrere Aufgaben, organisatorische Anforderungen und Dokumentationspflichten erfüllen müssen, bleibt weniger Zeit für das, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: beobachten, begleiten, beraten und sichern. 

„Qualität in der Geburtshilfe basiert wesentlich auf Kontinuität, Aufmerksamkeit und Beziehung“, ordnet Thomas Druyen ein. 

Für werdende Eltern bedeutet das: Betreuung wird fragiler. Aufklärungsgespräche werden komprimiert, präventive Aspekte treten in den Hintergrund, und die persönliche Begleitung leidet unter organisatorischem Druck. 

Unser Experte

Über Prof. Dr.
Thomas Druyen

Prof. Dr. Thomas Druyen ist Soziologe, Buchautor, Institutsgründer und einer der prägenden öffentlichen Denker für Vermögen, Zukunft und mentale Handlungsfähigkeit im deutschsprachigen Raum. Als Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung fokussiert sich Druyen vor allem darauf, Gesundheitsfachberufe wie Hebammen sichtbarer, mental stärker und zukunftsfähiger zu machen. Das spiegelt sich auch in der Studienarbeit wider: Hier kommen diejenigen zu Wort, die in Politik und Gesellschaft oft nicht ausreichend beachtet werden.

Fachfremde Tätigkeiten kosten Zeit für Versorgung

Ein besonders deutliches Ergebnis der HebammenStudie 2025: Viele Hebammen übernehmen regelmäßig Tätigkeiten, die nicht zu ihrem eigentlichen Berufsbild gehören. Dazu zählen administrative Aufgaben, organisatorische Koordination oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten. 

Das klingt zunächst nach einem organisatorischen Detail. Tatsächlich ist es ein zentraler Hebel für Entlastung. Denn jede Minute, die für fachfremde Tätigkeiten verwendet wird, fehlt in der direkten Betreuung von Frauen, Kindern und Familien. 

Thomas Druyen fasst das so zusammen:„Hochqualifizierte Fachkräfte verwenden einen Teil ihrer Arbeitszeit für Aufgaben, die nicht ihrem professionellen Kompetenzprofil entsprechen.“ 

Die Folgen sind weitreichend. Es geht nicht nur um verlorene Zeit, sondern auch um Konzentration, Beziehung und Sicherheit. Gerade in der Geburtshilfe ist kontinuierliche Präsenz entscheidend, um körperliche und emotionale Veränderungen früh wahrzunehmen. 

Digitalisierung in der Geburtshilfe: Entlastung statt zusätzlicher Bürokratie

Digitale Lösungen können in der Geburtshilfe ein wichtiger Entlastungsfaktor sein. Entscheidend ist jedoch, wie sie gestaltet und in den Arbeitsalltag integriert werden. Digitalisierung darf keine zusätzliche Ebene von Bürokratie schaffen. Sie muss Prozesse vereinfachen. 

Die Studie zeigt klar: Entlastung entsteht nur dann, wenn digitale Systeme durchgängig genutzt werden können, Informationen sektorenübergreifend verfügbar sind und parallele Papierprozesse abgebaut werden. 

Thomas Druyen meint:„Digitale Lösungen können in der Geburtshilfe ein echter Entlastungsfaktor und Gamechanger sein, aber nur, wenn sie Prozesse vereinfachen und nicht zusätzlich verkomplizieren.“ 

Gerade an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung entstehen heute Reibungsverluste. Unterschiedliche Dokumentationssysteme, Medienbrüche und fehlende Interoperabilität führen dazu, dass Informationen mehrfach erfasst oder mündlich weitergegeben werden müssen. 

Für Softwarelösungen im Gesundheitswesen ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Sie müssen Hebammen Zeit zurückgeben, Dokumentation vereinfachen und Informationen dort verfügbar machen, wo sie gebraucht werden. 

Dokumentation: notwendig, aber zu zeitintensiv

Dokumentation ist in der Geburtshilfe unverzichtbar. Sie dient der Qualitätssicherung, Kommunikation und rechtlichen Absicherung. Gleichzeitig darf sie nicht zum dominierenden Zeitfaktor werden. 

Sinnvolle Softwarelösungen setzen deshalb dort an, wo Routinen standardisierbar sind. Digitale Vorlagen, intelligente Auswahlfelder, strukturierte Verlaufsdokumentation oder sprachbasierte Dokumentationssysteme können helfen, den Aufwand zu reduzieren, ohne die fachliche Kontrolle aus der Hand zu geben. 

„Jede eingesparte Minute Dokumentationszeit ist eine gewonnene Minute für Betreuung“, bringt Prof. Dr. Druyen es auf den Punkt.

Genau hier liegt eine zentrale Verbindung zwischen den Ergebnissen der HebammenStudie 2025 und moderner Produktentwicklung im Gesundheitswesen: Gute Software ersetzt nicht die Fachlichkeit der Hebammen. Sie schafft Freiräume, damit diese Fachlichkeit wieder stärker wirksam werden kann. 

Interoperabilität entscheidet über echte Entlastung

Ein wiederkehrendes Problem in der Geburtshilfe sind Schnittstellenbrüche. Informationen werden nicht reibungslos zwischen Berufsgruppen, Einrichtungen und Versorgungsbereichen geteilt. Das betrifft insbesondere den Übergang zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. 

Die Folge: Mehrfachdokumentation, Abstimmungsaufwand und Unsicherheit darüber, welche Informationen aktuell und vollständig sind. 

„Unterschiedliche Dokumentationssysteme, parallele Papier- und Digitalstrukturen oder nicht interoperable Systeme führen dazu, dass Informationen mehrfach erfasst oder mündlich weitergegeben werden müssen“, so Druyen. 

Interoperable Softwarelösungen können hier einen konkreten Beitrag leisten. Sie verbinden Prozesse, reduzieren Medienbrüche und schaffen Transparenz. Der elektronische Mutterpass wird in diesem Zusammenhang als möglicher Hebel genannt, um strukturierte und sektorenübergreifende Informationen verfügbar zu machen. 

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Datenschutz und Vertrauen als Grundvoraussetzung

Digitale Lösungen in der Geburtshilfe arbeiten mit besonders sensiblen Gesundheitsdaten. Datenschutz ist deshalb keine Zusatzfunktion, sondern Grundvoraussetzung. 

Die Anforderungen sind klar: DSGVO-Konformität, sichere Verschlüsselung, rollenbasierte Zugriffskontrolle und transparente Protokollierung. Gleichzeitig muss Datenschutz praktikabel bleiben. Nur wenn berechtigte Fachkräfte schnell und sicher auf relevante Informationen zugreifen können, entsteht im Alltag tatsächliche Entlastung. „Vertrauen ist hier zentral, sowohl für die Fachkräfte als auch für die Familien“, fasst Druyen zusammen. Für Anbieter von Softwarelösungen bedeutet das: Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gute digitale Lösungen verbinden Sicherheit mit einfacher Anwendung. 

Was Kliniken und Träger kurzfristig tun können

Nicht jede Verbesserung braucht sofort eine große Reform. Die Studie zeigt auch kurzfristige Hebel, die organisatorisch umsetzbar sind. Dazu gehören: 

  • administrative Entlastung im Kreißsaal,
  • klare Aufgabenabgrenzung in interprofessionellen Teams,
  • weniger fachfremde Tätigkeiten,
  • bessere Koordination von Schnittstellen,
  • durchgängige digitale Prozesse ohne parallele Papierstrukturen. 

„Wir sprechen hier nicht über milliardenschwere Reformen, sondern über Organisationsentscheidungen auf Trägerebene“, erläutert Thomas Druyen. 

Software kann diese Veränderungen unterstützen, wenn sie nah an den tatsächlichen Arbeitsprozessen entwickelt wird. Entscheidend ist nicht der technologische Selbstzweck, sondern der konkrete Nutzen im Alltag. 

Die positive Zukunft: Mehr Zeit für Hebammenarbeit

Eine positive Zukunft der Geburtshilfe bedeutet nicht nur mehr Personal oder höhere Vergütung. Sie bedeutet auch, dass Hebammen ihre Kernkompetenz wieder stärker ausüben können: kontinuierlich begleiten, Risiken früh erkennen, Familien stabilisieren und Vertrauen schaffen. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, klare Rollen und digitale Lösungen, die Prozesse vereinfachen statt verkomplizieren: „Hebammen sollten sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können: Beobachten, begleiten, beraten, sichern“, fordert Druyen.

Die HebammenStudie 2025 zeigt damit nicht nur ein Problem, sondern auch eine Richtung: Entlastung muss dort entstehen, wo der Alltag heute am stärksten belastet ist. In der Dokumentation. In der Organisation. An den Schnittstellen. Und in den Systemen, die Versorgung ermöglichen sollen. 

Fazit: Software kann Hebammen nicht ersetzen – aber sie kann sie entlasten

Hebammenarbeit ist Beziehungsarbeit, Prävention, Sicherheit und Gesundheitsversorgung zugleich. Sie lässt sich nicht automatisieren. Aber sie lässt sich besser ermöglichen. 

Digitale Lösungen können dazu beitragen, Zeit zurückzugewinnen, Dokumentationsaufwand zu reduzieren, Informationen sicher verfügbar zu machen und interprofessionelle Zusammenarbeit zu verbessern. Genau darin liegt ihr Wert: Sie schaffen Raum für das, was Hebammen am dringendsten brauchen – Zeit für Menschen. 

„Wer hier investiert, investiert in die Zukunft“, schließt Prof. Dr. Thomas Druyen.

Die HebammenStudie 2025 ist deshalb auch ein Auftrag an Politik, Träger, Gesellschaft und Technologieanbieter: Strukturen müssen so gestaltet werden, dass Hebammen ihre Arbeit sicher, professionell und mit ausreichend Zeit ausüben können. 

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