TI-News 2026: Blitzschnell in die Zukunft?

Bei der SMC-B sind viele Pflegeeinrichtungen schon einen großen Schritt weiter: Für 89 % wurde bereits ein Antrag gestellt. Tatsächlich an die Telematikinfrastruktur angeschlossen ist bislang aber erst rund jede zweite Einrichtung. Während vielerorts also noch die technische Anbindung läuft, entwickelt sich die TI längst weiter: KIM wird stärker in den Alltag integriert, das TI-Gateway verändert den technischen Anschluss und mit mobilen Lösungen entstehen neue Möglichkeiten für die Versorgung vor Ort.

Die wichtigsten Entwicklungen für Pflegedienste im Überblick.

  • Veröffentlicht:
  • Zuletzt aktualisiert:
  • Pflege

TI-Anschluss: Der nächste Schritt heißt Nutzung

Hinter den beiden Zahlen aus dem Einstieg liegen unterschiedliche Etappen. Die SMC-B ist eine wichtige Voraussetzung für die Anbindung – die beantragte Karte allein macht einen Pflegedienst aber noch nicht zum aktiven TI-Nutzer. Ende August waren bereits mehr als 20.000 Pflegeeinrichtungen im Verzeichnisdienst der TI gelistet. Das entspricht rund 65 %. Der Verzeichnisdienst funktioniert vereinfacht wie das sichere Adressbuch der Telematikinfrastruktur.

Das Tempo hat deutlich angezogen: Innerhalb von zehn Monaten hat sich die Zahl der angeschlossenen Einrichtungen mehr als verdoppelt. Trotzdem liegen zwischen Karte, technischem Anschluss und echter Nutzung weitere Schritte. Ein Pflegedienst kann technisch vollständig angebunden sein – und KIM oder andere TI-Anwendungen trotzdem kaum in seinen Arbeitsabläufen einsetzen.

Genau deshalb dürfte die Anschlussquote mit der Zeit an Bedeutung verlieren. Spannender wird, was nach dem Anschluss passiert: Wird die TI tatsächlich genutzt? Ersetzt sie alte Wege? Und macht sie Abläufe einfacher?

KIM: Jetzt geht es um den Pflegealltag

Seit dem 13.7.2026 gibt es einen neuen „How to KIM“-Leitfaden speziell für Pflegeeinrichtungen. KIM steht für Kommunikation im Medizinwesen und funktioniert vereinfacht wie ein besonders geschützter E-Mail-Dienst innerhalb der TI. Der Leitfaden basiert auf Erfahrungen aus der TI-Modellregion Hamburg & Umland und beschäftigt sich ausdrücklich nicht nur mit Technik, sondern auch mit Zugriffsrechten, Finanzierung und der Einführung im gesamten Betrieb.

Dass KIM längst mehr als Theorie ist, zeigen die Nutzungszahlen: Systemweit werden rund 20 bis 30 Millionen KIM-Nachrichten pro Monat verschickt. Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser tauschen darüber bereits Nachrichten und medizinische Informationen aus. Für die Pflege gilt allerdings: Der Nutzen wächst mit dem Netzwerk. Wenn eine Arztpraxis auf der anderen Seite KIM nicht verwendet, kann auch ein angeschlossener Pflegedienst diesen Kommunikationsweg nicht vollständig nutzen.

Und dann kommt die Organisation im eigenen Betrieb. Wer kümmert sich um eingehende Nachrichten? Wer darf antworten? Welche Telefonate, Faxe oder E-Mails können tatsächlich wegfallen? Ein zusätzliches Postfach braucht niemand. Interessant wird KIM dort, wo es einen alten Kommunikationsweg wirklich ersetzt.

TI-Gateway: Die Technik zieht ins Rechenzentrum

Beim TI-Gateway muss der Konnektor nicht mehr im Pflegedienst selbst stehen. Die Einrichtung verbindet sich sicher mit dem Rechenzentrum eines zertifizierten Anbieters, das den Zugang zur TI herstellt. Betrieb und technische Verantwortung wandern damit stärker zum Dienstleister – und ein Teil der TI-Technik verschwindet aus der Einrichtung.

Der TI-Atlas 2026 liefert inzwischen erste Erfahrungen aus dem Betrieb. Rund ein Drittel der Einrichtungen, die bereits auf ein TI-Gateway umgestellt haben, berichtet von einer stabileren Verbindung und schnelleren Reaktionszeiten. Bei Krankenhäusern melden 57 % eine höhere Stabilität und 42 % eine bessere Geschwindigkeit. Diese Werte lassen sich nicht eins zu eins auf Pflegedienste übertragen, zeigen aber, dass sich die neue Anschlussform inzwischen im Alltag bewähren muss – und messen lässt.

Auch die physische Institutionskarte könnte künftig häufiger aus dem Kartenterminal verschwinden. 2026 wird die kartenlose Institutionsidentität HSM-B bereits im Umfeld von TI-Gateways getestet. Die digitale Identität der Einrichtung wird dabei geschützt im Rechenzentrum verwaltet. Das kann Kartentausch, PIN-Eingaben und Technik vor Ort reduzieren.

Hinter den sperrigen Begriffen steckt damit eine ziemlich angenehme Entwicklung: Die TI soll im Hintergrund mehr Arbeit übernehmen – und im Pflegedienst weniger Technik hinterlassen.

“Schlag auf Schlag kommen neue Mehrwerte, neue Technologien, die uns in ganz neue Möglichkeiten versetzen.”

Andre Lyhs, TI-Experte

Mobile TI: Weg vom festen Kartenterminal

Ambulante Pflege findet bei den Klient:innen zu Hause statt. Viele Prozesse der TI sind bisher aber noch stark an feste Orte und Kartenterminals gebunden. Genau das soll sich mit der mobilen TI ändern: Der notwendige Versorgungskontext soll künftig stärker unabhängig von einem stationären Gerät hergestellt werden können – auch über mobile Endgeräte.

Ein wichtiger Schritt läuft seit dem 1.9.2026: VSDM 2.0 wird zunächst mit einer großen Krankenkasse und mindestens einem Primärsystem in der Praxis erprobt. Weitere Kassen und Systeme sollen schrittweise folgen, bevor die neue Version bundesweit ausgerollt wird. VSDM steht für Versichertenstammdatenmanagement und sorgt dafür, dass Versicherungsstatus und Stammdaten geprüft werden können. Mit VSDM 2.0 kommen auch neue Bausteine der TI 2.0 wie PoPP und Zero Trust zum Einsatz.

PoPP – Proof of Patient Presence – soll der TI digital nachweisen, dass tatsächlich eine Versorgungssituation besteht. Dieser Nachweis ist wichtig, weil sensible Versichertendaten nicht unabhängig von einem konkreten Versorgungskontext abgerufen werden sollen. PoPP schafft dafür einen technischen Nachweis und ist ausdrücklich auch für mobile Situationen wie Haus- und Heimbesuche vorgesehen.

Was das praktisch bedeuten könnte, zeigt ein alltägliches Beispiel: Heute kann es vorkommen, dass eine Gesundheitskarte extra zur Arztpraxis gebracht werden muss, damit sie dort eingelesen wird. Für ambulante Pflegedienste ist das ein zusätzlicher Weg. Perspektivisch könnte genau dieser Umweg entfallen.

GeDIG: E-Rezept für häusliche Krankenpflege soll kommen

Am 15.7.2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf für das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen, kurz GeDIG, beschlossen. Noch handelt es sich um einen Gesetzentwurf. Bis zum fertigen Gesetz können sich einzelne Regelungen ändern.

Der Entwurf schafft unter anderem die gesetzlichen Voraussetzungen für ein E-Rezept für häusliche Krankenpflege. Auch die Kommunikation zwischen Leistungserbringer:innen und Kostenträgern soll stärker über sichere digitale Wege wie KIM und den TI-Messenger laufen. Die gematik soll zudem weitergehende Möglichkeiten erhalten, bei Störungen und Problemen im Betrieb der TI einzugreifen.

Für Pflegedienste steckt darin eine ziemlich konkrete Perspektive: Prozesse, die heute noch von Papier, Fax und manueller Weitergabe geprägt sind, könnten direkt digital ablaufen. Gerade bei Verordnungen würde Digitalisierung den gesamten Weg der Information neu zu organisieren.

Blitzschnell Richtung Zukunft? Noch nicht ganz.

Die TI befindet sich 2026 in einer ungewöhnlichen Phase: Obwohl erst rund die Hälfte der Pflegeeinrichtungen angeschlossen ist, wird bereits an der nächsten Generation gearbeitet. Anwendungen und Infrastruktur entwickeln sich weiter, doch ein Teil der Branche ist immer noch mit den Grundlagen beschäftigt.

Im besten Fall wird die TI irgendwann zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags. Das Fax bleibt still, weil die Nachricht per KIM angekommen ist. Niemand fährt nur wegen einer Gesundheitskarte zur Arztpraxis. Informationen sind dort verfügbar, wo sie gebraucht werden. Und im Pflegealltag fallen Wege und Arbeitsschritte weg, die heute noch selbstverständlich dazugehören.

Noch mehr TI-News im Podcast

In der aktuellen Folge von „Einfach Pflege.“ spricht Jens Biere mit TI-Experte Andre Lyhs ausführlich über den TI-Atlas 2026, KIM, TI-Gateway, mobile TI, GeDIG und die nächsten Schritte auf dem Weg zur TI 2.0.

Jens Biere

Jens Biere vereint Praxis, Pädagogik und Digitalisierung in einer Person: Altenpfleger, Pflegepädagoge und heute Market Development Manager bei opta data Finance. Er verbindet fachliche Tiefe mit echter Praxiserfahrung und erklärt digitale Themen so, dass sie für Pflegedienste verständlich, greifbar und umsetzbar werden.